Blathering – 096 – Terror ist kein Spiel

Wir reden über den Angriffskrieg von Erdoğan, den Terror in Halle und viele Dinge, die damit einhergehen. Danach gratulieren wir Schwergewichten in Hamburg, unterhalten uns über alte und neue Spielekonsolen und erfahren, warum Tobi es so schlecht halten kann.

Kommentare

  1. Zum Thema “180°” und “Journalisten sind wie Junkies” ein paar Gedanken. Vorab: Ich habe die Episode von 180° noch nicht gehört, möglicherweise könnten sich deswegen Aussagen doppeln. Ich war mit anderen Kollegen zufällig auch an diesem konkreten Fall dran, um den es in der 180°-Episode ging. Wir haben zunächst die Informationen des Polizeisprechers so abgebildet, wie sie von ihm kamen. Weil die Geschichte sehr gesprächswertig war und schnell hochkochte, entwickelte sich dabei tatsächlich ein gewisser Zeitdruck. Dazu am Ende noch zwei Sätze. Konkret gab es auch Anfragen an uns von anderen NDR-Wellen und aus der ARD, die kurzfristig zu bedienen waren. Und dann kommt zwei Effekte zusammen: 1. Die Polizei gilt allgemein als “priviligierte Quelle”, die genießen also mit ihren Pressestatements einen gewissen Vertrauensvorschuss, so dass man bei Informationen von der Polizei in der Regel auf eine zweite Quelle verzichten kann, solange man sich ausdrücklich darauf beruft, diese Informationen von der Polizei zu haben (und sie sich eben nicht zu eigen macht, indem man z.B. auf indirekte Rede verzichtet) zudem gibt es in vielen Fällen gar nicht die Möglichkeit, einen der direkt Betroffenen zu befragen, weil man im Zweifel die Kontaktdaten nicht hat, wenn man nicht zufällig selbst vor Ort war. 2. Man kennt sich. Wir haben täglich mehrfach mit Polizeisprechern zu tun und der Umgang ist entsprechend kollegial. Aus diesen beiden Punkten entstehen fast immer gute Geschichten, die vollkommen unproblematisch sind. Allerdings gibt es eben auch Situationen, in denen Journalisten die Aussagen der Polizei besser mal hinterfragen sollten, es aber aus dem kollegialen Umgang und der gewohnten Zuverlässigkeit der Informationen aus der Pressestelle einfach nicht tun. Diese Situation wäre eine gewesen, aber das erkennt man oft erst wenn sich der Staub gelegt hat. Im Endeffekt bröckelte die Geschichte schon am Tag nach der eigentlichen Meldung und es war wahnsinnig schwer, ein korrigierendes Statement von der Polizei zu bekommen. Der Pressesprecher war von einem Tag auf den anderen nicht mehr erreichbar, erst nach dem eigentlichen Feierabend meldete sich ein Kollege von ihm zurück, der aber gerade aus dem Urlaub kam und kaum etwas davon wusste. Ich bin gespannt auf die 180°-Episode, denn ich habe bis heute nicht erfahren, warum er mit derart ungesicherten Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit gegangen ist. Ich weiß, dass im NDR korrigierende Berichte gelaufen sind, sobald wir die Informationen zusammen hatten. Wie es die anderen Anstalten und sonstige Medien damit gehalten haben, habe ich nicht verfolgt. Zum Thema “Zeitdruck” noch kurz: Die klassischen Medien haben sich sehr verändert, es muss alles sehr viel schneller gehen als noch vor 10 Jahren. Wer hat die Geschichte zuerst, wer hat noch ein weiteres Detail, wieso haben wir $information nicht? sind Fragen, die gerade bei Themen mit einem hohen Gesprächswert auf den Reporter und die Redaktion einprasseln. Es ist sehr schwer, sich diesem Druck zu entziehen und häufig gelingt das nicht. Ein Thema muss möglichst schnell auf die Antenne, um noch vor den Onlinern der Zeitung zu sein. Letztlich ginge die Welt nicht davon unter, hätte man eine Story mal eine Stunde später aber dafür sortiert. Das Blöde daran ist nur: Das bemerkt man manchmal erst nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist.

  2. Und eines noch: Die initiale Pressemitteilung war komplett im indikativ geschrieben und kam vollständig ohne Signalwörter wie “wir gehen Hinweisen nach wonach … haben sollen”. Das ist schon kurz vor “falsche Fährte legen” anstatt “maximale Transparenz”.

Denn sabbel mal los